Lust am Experimentellen

Zwei Treppen muss man hochsteigen, um in das kleine Atelier der experimentellen Malerin Andrea Joos zu gelangen. Oben unter 2 Gaubenfenstern ist es hell und freundlich. Frau Joos ist Vorstandsmitglied im 2010 neu gegründeten Verein Kunstmeile Stahnsdorf e.V und leidenschaftliche Malerin.

 

Ihre neuesten Bilder zeichnen sich durch die Kombination von Farbe mit Holz aus. Auf zum Teil orangerotem Strukturhintergrund sind Holz- und Rindenstücke sowie Holzscheiben arrangiert. Diese Bilder tragen Namen wie „2 Wesen“, „3 Wesen“, „Die Muräne“ oder „Segel setzen“. Letzteres ist das Lieblingsbild der Künstlerin und spiegelt ihr Lebensmotto sowie ihr Hobby, das Segeln, wider. Das Thema Natur und Lebensfreude ist in fast allen Bildern aus verschiedenen Phasen und in verschiedenen Techniken wiederzufinden.

 

Frau Joos, Sie bezeichnen sich als experimentelle Malerin. Womit experimentieren Sie und was ist das Experimentelle an der Umsetzung?

„Experimentell ist die Verwendung von verschiedenen Materialien in meinen Bildern. Von Strandgut über Obstnetze bis hin zu Jute und Styropor baue ich diese in meine Malerei ein um besondere plastische Effekte zu erzielen. Mich inspirieren die Materialien mit ihrer Struktur. Vor allem in Holz sehe ich etwas, manchmal auch erst auf den zweiten Blick. Mit einer Idee im Kopf beginne an einem Bild zu arbeiten, oft ergeben sich aber neue Ideen während der Arbeit, so dass am

Ende nicht unbedingt das entstanden ist, was ich ursprünglich machen wollte.„

 

Die Verwendung von Verpackungsmaterial in Ihrer Kunst kann man durchaus als Upcycling bezeichnen. Achten Sie denn beim Kauf der Farben auf deren Umweltverträglichkeit?

„Ich verwende hauptsächlich Acrylfarben aus dem Künstlerbedarf, bei denen ich nicht konkret auf die Umweltverträglichkeit achte, sondern auf die Qualität und Strahlkraft der Farben.“

 

Gibt es einen künstlerischen Traum, den Sie sich irgendwann einmal erfüllen möchten?

 „Ja, ich würde gerne noch größere Bilder als bisher malen. Meine größten Bilder sind 160 x 160 cm. Alles was darüber hinausgeht ist aufgrund der normalen Deckenhöhe meines Ateliers leider nicht möglich. Auch würde ich gerne mit Pigmentfarben arbeiten, die eine tolle Strahlkraft haben. Leider sind diese sehr teuer, daher greife ich auf Acrylfarben zurück.“

 

Lassen Sie sich bei der Arbeit gerne über die Schulter schauen?

„Nein, nur ungern, das lenkt mich ab.“

 

Eine Frage, die ich Künstlern gerne stelle ist, wie sie einen Preis für ihre Bilder oder Skulpturen finden. Frau Joos berechnet ihre Bilder nach einem Faktor, der die Bildgröße mit einbezieht. Ein persönlicher Wert für ein Bild spielt in der Preisfindung keine Rolle. „Ein Bild muss bezahlbar

bleiben“ ist ihre Kernaussage zu diesem Thema. Jeder soll sich ihre Kunst leisten können.

 

Die mit „AJ“ signierten Bilder werden immer gefragter für Ausstellungen und finden schnell Käufer. Ohne dafür zu werben, erhält Frau Joos Angebote für Ausstellungen und arbeitet voraussichtlich ab Juli mit einem Berliner Galeristen zusammen.

 

Wie kommt es zu dieser „Leichtfüßigkeit“ beim Vertrieb Ihrer Bilder?

"Eigentlich wollte ich meine Bilder nie verkaufen. Ich male für mich selbst, es entspannt mich und tut mir gut. Jedes Bild ist persönlich. Ich wurde von Freunden und Bekannten dazu gedrängt, meine Kunst auszustellen. Da mein Keller immer voller wurde, bin ich dann irgendwann diesen Schritt gegangen. Bei meiner ersten Ausstellung konnte ich von 21 Bildern 8 verkaufen! Ein großer Erfolg.

Dass sich meine Bilder verkaufen ist ein schöner Nebeneffekt, aber keine Notwendigkeit. Es gibt keinen Zwang für mich und das macht mich frei. Ich denke, das merken meine Käufer."

 

Wo kann man Ihre Bilder sehen?

„Ich öffne mein Atelier zur Kunstmeile Stahnsdorf sowie bei den Tagen des „Offenen Ateliers“. Die letzte Ausstellung war zur Eröffnung einer Rechtsanwaltskanzlei sowie eine Gemeinschaftsausstellung mit anderen Künstlern der Kunstmeile in einem Neuköllner Hotel. Die nächste Ausstellung wird gemeinsam mit Gabriele Daniel in der Gemeindeverwaltung Stahnsdorf stattfinden. Außerhalb dieser Anlässe öffne ich mein Atelier für jeden, der sich für meine Bilder interessiert. Über meine Website können sich Interessierte mit mir in Verbindung setzen und dann vereinbaren wir einen ganz individuellen Termin.“

 

Was inspiriert Sie?

 „Ich habe mich schon sehr früh für Kunst interessiert und bin gerne durch Kunstausstellungen gewandert. Ausstellungen mit abstrakten Bildern inspirieren mich, da ich selbst mittlerweile auch am liebsten abstrakt oder abstrahiert male. Mit meiner Mutter bin ich schon als Jugendliche ins örtliche Kunstmuseum gegangen und später auch gerne ins Museum Ludwig sowie nach meinem Umzug nach Berlin verstärkt in Berliner Ausstellungen in Museen und Galerien."

 

Haben Sie eigentlich immer nur gemalt oder auch andere Kunstformen ausprobiert?

 „Seit meiner Jugend male ich, hatte aber auch experimentelle Phasen mit Pappmaché-Figuren und Schmuckgestaltung. Ich kam aber immer wieder auf die Malerei zurück.„

 

Haben Sie einen Tipp für Künstler, die gerne ihre Kunst verkaufen möchten, aber noch unsicher sind, wie sie das bewerkstelligen sollen?

"Ja, schaffen oder suchen Sie sich ein Netzwerk, das ist meine Erfahrung. Durch den Einzug in die Ateliergemeinschaft im August 2010 kam bei mir vieles ins Rollen. Durch die Kunstmeile und die Offenen Ateliers sind viele neue Kontakte zustande gekommen, durch die das Thema Ausstellungen zum Selbstläufer geworden sind. Aktuell plane ich die Ausstellung „Holz trifft Farbe“ mit Ullrich Kittelmann, den ich über die Fresh Art Gallery kennenlernen konnte. Diese Galerie befindet sich im Erdgeschoß des Gebäudes wo ich mein Atelier habe. Durch die Teilnahme an Events wie die Kunstmeile wird man einfach bekannter und knüpft wieder neue Kontakte.“

 

Was hat sich seit der ersten Kunstmeile im vergangenen Jahr in Stahnsdorf entwickelt?

„Es ist tatsächlich ein Netzwerk für Künstler in Stahnsdorf entstanden, das bereits zu einer Vereinsgründung führte. Auch in diesem Jahr wird es wieder ein Kunstmeile Wochenende im September geben. Wir sind offen für neue Teilnehmer, die auch nicht zwingend aus Stahnsdorf

kommen müssen. Auch Kunsthandwerker haben die Möglichkeit an der Kunstmeile teilzunehmen.“

 

Bilden Sie sich künstlerisch weiter?

„Ja, das ist mir wichtig. Ich nehme an Vorträgen bei boesner teil und bilde mich auch gerne in mehrtägigen Workshops weiter bei denen Maltechniken vermittelt werden. Ich nehme an 4-5 Veranstaltungen im Jahr teil. Ich bilde mich dadurch persönlich weiter und kann gleichzeitig mein Netzwerk vergrößern.„

 

Herzlichen Dank für das Gespräch. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 

Das Gespräch führte Elke Puls im Atelier Wilhelm-Külz-Str. 75, Stahnsdorf.

 

 

 

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